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tentares tägliche Zitate

Sätze aus unseren Büchern – täglich auch auf Instagram.

»Der Trieb verknüpft die Frage des Unbewussten mit der Problematik des Körpers und öffnet das Begehren dank seiner grundlegend perversen Beschaffenheit der Unbestimmtheit.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Man kann jenseits des Mangels begehren – aus Freudscher Sicht beginnt das Begehren mit seiner Befriedigung.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Gewiss stellt sich in jeder hierarchisch geordneten sozialen Formation die Frage nach der Legitimation oder der Rechtfertigung für die Ausübung der Macht.«

Mario Vegetti, Wer in der Stadt das Sagen hat

»Die Kritik muss gegenwärtig in erster Linie eine Kritik der Ironie sein.«

Vladimir Safatle, Zynismus und das Scheitern der Kritik

»Das Problem ist nicht, dass die Faschisten irrational wären, sondern dass ›realistisch‹ zu sein heute bedeutet, sich an eine unwirkliche und zerstörerische Realität anzupassen.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Ein Denken, das unter dem Druck der Verhältnisse gezwungen war, sich noch ›politischer‹ zu zeigen als die ›Politiker‹ selbst.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Frieden wird zuerst gedacht, dann gemacht.«

Arianna Arisi Rota, Frieden

»Wer ihnen zu einer stärkeren Existenz verhelfen und ihnen ›mehr‹ Realität verschaffen will, ist nicht nur ein Schöpfer, sondern auch ein Anwalt.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Eine Gemeinschaft von Schwestern organisiert sich nicht wie eine Gemeinschaft von Brüdern.«

Silvia Lippi, Patrice Maniglier, Schwestern

»Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus, ewig nur das eintönige Geräusch des Rades, das er umtreibt, im Ohre, entwickelt er nie die Harmonie seines Wesens.«

Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 6. Brief

»Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?«

Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 8. Brief

»Der Mensch kann sich aber auf eine doppelte Weise entgegengesetzt sein: entweder als Wilder, wenn seine Gefühle über seine Grundsätze herrschen; oder als Barbar, wenn seine Grundsätze seine Gefühle zerstören.«

Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 3. Brief

»Wenn der Künstler an einem Uhrwerk zu bessern hat, so lässt er die Räder ablaufen; aber das lebendige Uhrwerk des Staats muss gebessert werden, indem es schlägt.«

Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 3. Brief

»In dem ästhetischen Staate ist alles – auch das dienende Werkzeug ein freier Bürger, der mit dem edelsten gleiche Rechte hat.«

Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 27. Brief

»Man wähnt, sich im Schauspiel zu versammeln – und dort gerade vereinzelt sich jeder.«

Jean-Jacques Rousseau, Brief über die Schauspiele

»So reinigt das Theater die Leidenschaften, die man nicht hat, und nährt die, die man hat.«

Jean-Jacques Rousseau, Brief über die Schauspiele

»Das einzige Glück, das die meisten Menschen kennen, ist, für glücklich gehalten zu werden.«

Jean-Jacques Rousseau, Brief über die Schauspiele

»Macht die Zuschauer selbst zum Schauspiel, macht sie selbst zu Schauspielern.«

Jean-Jacques Rousseau, Brief über die Schauspiele

»Pflanzt mitten auf einen Platz einen blumenbekränzten Pfahl, versammelt das Volk darum, und ihr habt ein Fest.«

Jean-Jacques Rousseau, Brief über die Schauspiele

»Gegenstände, die nebeneinander oder deren Teile nebeneinander existieren, heißen Körper. […] Gegenstände, die aufeinander, oder deren Teile aufeinander folgen, heißen überhaupt Handlungen.«

Gotthold Ephraim Lessing, Laokoon, Kap. XVI

»Ich finde, Homer malet nichts als fortschreitende Handlungen […].«

Gotthold Ephraim Lessing, Laokoon, Kap. XVI

»Das Unternehmertum ist eine Fortsetzung des Bürgerkriegs mit anderen Mitteln – die ökonomische Verwirklichung von Hobbes’ Auffassung der Gesellschaft als eines ›Krieges aller gegen alle‹.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Die vollendetste Form des Autoritarismus ist die souveräne Macht dessen, der entscheidet, wann man seine Äußerungen ernst nehmen muss und wann er ›nur Spaß macht‹.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Die Gewalt, die wir heute kennen, ist nicht die des Glaubens, sondern die des Unglaubens. Die schlimmste und aggressivste von allen. Was wir vor uns haben, sind Gläubige des Unglaubens. Gläubige, die sehr wohl um die Zerbrechlichkeit ihrer Überzeugungen wissen und sich deshalb mit umso mehr Verzweiflung und Taubheit an sie klammern.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Daher ist es richtig zu sagen, dass der Faschismus kein Regierungsprojekt hat – im Sinne eines Ensembles von Dispositiven zur Sicherung der Regierbarkeit und zur Bewahrung normativer Stabilität. Doch das geschieht nicht aus Verwaltungsinkompetenz. Der Faschismus hat kein Regierungsprojekt, weil er etwas Größeres hat: ein echtes Gesellschaftsprojekt.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»In diesem Sinne funktioniert der Faschismus wie eine Art Gruppentherapie. Er erlaubt eine Gruppenantwort auf die psychische Krise, die unsere Epoche prägt, und bringt eine eigentümliche Anpassung an deren Bedingungen hervor.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Die faschistische Gewalt entspringt den Formen der Erhaltung des Ichs, nicht den libidinösen Dynamiken seiner Zersetzung. Nicht ein Übermaß an Destruktivität charakterisiert die faschistische Gewalt, sondern, paradoxerweise, ein Übermaß an Erhaltung. Es geht um die Frage, wie die Träume der Selbsterhaltung Monster erzeugen.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Wenn der Faschismus in gewisser Weise als eine realistische Antwort auf die Krisen erscheint, die unsere Zeit kennzeichnen, wenn er vielleicht als die einzig realistische Antwort erscheint, dann sollten wir uns nicht scheuen zu behaupten, dass allein ein deliranter Irrealismus uns retten kann.«

Vladimir Safatle, Innere Bedrohung

»Man existiert nicht aus sich selbst heraus; man existiert nur dann wirklich, wenn man etwas anderes zum Existieren bringt. Jede Existenz braucht Verstärker, um ihre Realität zu steigern. Ein Wesen kann sich das Recht zu existieren nicht ohne die Hilfe eines anderen erobern, das es zum Existieren bringt.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Bevor man von einer Philosophie der Kunst sprechen kann, muss man von einer Kunst der Philosophie sprechen […]. Ebenso gibt es vor jeder Ontologie der Kunst eine Kunst der Ontologie, da es kein Sein ohne Seinsweise gibt. Die Kunst des Seins ist die unendliche Vielfalt seiner Seinsweisen oder Existenzweisen.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Der sicherste Weg, eine Existenz zu untergraben, besteht bekanntlich darin, so zu tun, als ob sie keine Realität hätte. Sich nicht einmal die Mühe machen, es zu leugnen, sondern es einfach ignorieren. In diesem Sinne ist das Existierenmachen immer das Existierenmachen gegen eine Ignoranz oder ein Verkennen.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Von diesen Wesen zu sagen, dass sie existieren, bedeutet, dass sie nicht nur eine ›subjektive‹ Existenz haben, sondern dass sie uns dazu bringen, zu handeln, zu sprechen und zu denken, je nach der Seinsweise, die unser Glaube ihnen verleiht. Tatsächlich sind es die Ungeheuer der Nacht, die das Kind fluchtartig davonlaufen lassen.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Keine Realität, die nicht von einer Wolke von Potenzialen begleitet wird, die ihr wie ihr Schatten folgt. Jede Existenz kann zu einem Anreiz, einer Anregung oder zum Keim von etwas anderem werden, zum Fragment einer neuen, zukünftigen Realität. Jede Existenz wird von Rechts wegen zu einer unvollendeten.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Wer hat nicht schon einmal geglaubt ›eine Idee zu haben‹, die sich letztlich als bedeutungslos herausgestellt hat? Woher weiß man, ob man das Richtige getan hat, ob man nicht Stunden, Tage oder Jahre in ein letztlich nichtiges Projekt investiert hat?«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Wir haben nicht eine Perspektive auf die Welt, es ist im Gegenteil die Welt, die uns in eine ihrer Perspektiven eintreten lässt. Das Sein ist nicht in sich selbst geschlossen, verschlossen in einem unerreichbaren Selbst, sondern es wird ständig durch die Perspektiven, die es hervorruft, geöffnet.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Anders ausgedrückt, bedeutet (be)gründen, etwas bereits Existierendes zuzulassen, während Instaurieren bedeutet, etwas existieren zu lassen, aber auf eine bestimmte Art und Weise, die jedes Mal (neu) erfunden wird. […] Philosophen sind Schöpfer notwendiger Präexistenzen.«

David Lapoujade, Die minderen Existenzen

»Was Freud von Beginn an umtreibt, ist die unregierbare Kraft des Triebs: Ob man sie ›Genießen‹ nennt wie Lacan oder ›organlosen Körper‹ wie Deleuze und Guattari – es ist das Leidenschaftliche und Unbeherrschbare des Unbewussten, das ihn befragt und dessen komplexe Struktur er ans Licht bringen wird.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Vom psychoanalytischen Standpunkt aus gibt es keine Heilung vom Symptom, denn das Symptom ist ein Ausdruck des Begehrens, eines Begehrens, das aus Freudscher Sicht stets einen traumatischen Ursprung hat, und das Symptom wiederholt, ohne Wissen des Subjekts, das unerträgliche Trauma.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Die Freudsche Psychoanalyse wertet das Leiden weder auf noch ab – sie versucht, es in einen Motor der Erfindung zu verwandeln, es in einen Akt zu überführen: einen Akt, der Handlungsvermögen ist, das heißt Freude im spinozistischen Verständnis.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Warum fällt es Psychoanalytiker:innen so schwer, sich in ihrer alltäglichen Arbeit von Papa und Mama zu lösen? Sollten sie am Ende selbst einen unaufgelösten Ödipuskomplex haben?«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Freuds gesamtes Werk gründet auf dieser Argumentation: Das Individuum ist nicht krank an seinen unbeherrschbaren Trieben, sondern aufgrund der Widerstände, die es unbewusst gegen sie erzeugt.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Traum, Symptom, Versprecher, Witz, Fehlleistung sind die Ausdrucksformen der ›verrückten‹ Beziehung, die zwischen Trieb und Sprache besteht. Und diese Verrücktheit betrifft uns alle, denn wir alle haben ein Unbewusstes und wir alle müssen uns mit der unbeherrschbaren – verrückten – Seite des Begehrens auseinandersetzen.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Indem Spinoza spezifisch philosophische Probleme aufwirft, schlägt er keinen Umweg ein, um Politik zu behandeln, er vollzieht keine Übertragung an einen anderen Ort, in ein ›metapolitisches‹ Element, sondern er beabsichtigt, sich die Mittel zu verschaffen, um die Einsätze und Kräfteverhältnisse der Politik exakt […] aus ihren Ursachen zu erfassen.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Je gewaltsamer der Zwang auf die individuelle Freiheit ausgeübt wird, desto gewaltsamer und zerstörerischer ist auch die Reaktion darauf, aufgrund eines ›Naturgesetzes‹. Wenn jedes Individuum gewissermaßen gezwungen wird, wie ein anderes zu denken, verwandelt sich die produktive Kraft seines Denkens in eine destruktive.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Übersetzen wir: Herrschende und Beherrschte, Souverän und Bürger sind gleichermaßen Teil der Menge. Und die grundlegende Frage ist letztlich immer die nach ihrer Fähigkeit, sich selbst zu regieren, das heißt, ihre eigene Macht zu vergrößern.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Die Tyrannei verwandelt die Masse in ein explosives Gemisch aus Furcht und revolutionären Illusionen, während die Ohnmacht und die Spaltung der Masse das Verlangen nach ›providentiellen Menschen‹ hervorrufen, die höchstwahrscheinlich selbst zu Tyrannen werden.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Eine überraschende Idee zeichnet sich hier ab: Der Hass ist nicht nur eine soziale (oder relationale) Leidenschaft, sondern auch eine (gewiss widersprüchliche) Form von ›sozialem Band‹, von Soziabilität.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Wir verstehen schließlich, warum die Parteinahme des Philosophen – seine ›Ethik‹ – nicht darin besteht, die Revolution vorzubereiten oder anzukündigen, sondern öffentlich das Wagnis des Denkens einzugehen. Es ist wahr, dass viele Revolutionen noch nicht so weit sind.«

Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

»Erst nach dem Schreiben dieses Buches war es mir möglich, mich von der lacanianischen Orthodoxie zu lösen, die mein Denken bis dahin geprägt hatte. Freud wiederzuentdecken (nach Lacan) war für mich wie ein Aufatmen.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Ich habe begriffen, dass für das Unbewusste zu streiten auch heißt, für die Anliegen der Minderheiten zu streiten, und umgekehrt.«

Silvia Lippi, Sigmund Freud

»Die Infrastrukturen und Arbeitsmuster sind dem jeweiligen Kunstbegriff nicht äußerlich, sie programmieren ihn und sie informieren darüber, was Künstler:innen heute können und wissen müssen.«

Karen van den Berg, Große Kunst

»Je weniger sich die künstlerischen Studios unterscheiden von Architektur- und Designbüros, Firmen der Kreativindustrie, spezialisierten Handwerksbetrieben, experimentell arbeitenden Co-Working-Spaces oder Innovationsclustern der Tech-Industrie, desto deutlicher treten die Anstrengungen hervor, das politische Imaginäre der Künstlerfigur als Ausnahmesubjekt diskursiv zu erzeugen.«

Karen van den Berg, Große Kunst

»Die wahre Kritik muss die Kraft haben, sich gegen unsere eigenen Maßstäbe von Gerechtigkeit und Konsens zu richten, indem sie sich fragt, ob unsere Lebensform nicht derart beschädigt ist, dass sie sich an Werten ausrichtet, die aus pathologischen Verzerrungen hervorgehen.«

Vladimir Safatle, Zynismus und das Scheitern der Kritik

»Die wahre Triebfeder der Macht ist nicht die Auferlegung einer Verhaltensnorm, sondern die Organisation der Wahlmöglichkeiten. Von einem Pol zum anderen zu gehen ist nur eine kompliziertere Art des Stillstands.«

Vladimir Safatle, Zynismus und das Scheitern der Kritik

»Die kritische Form hat sich erschöpft, weil die Realität die Strategien der Kritik internalisiert hat.«

Vladimir Safatle, Zynismus und das Scheitern der Kritik

»Der Zynismus stellt uns vor das seltsame Phänomen der Abnutzung der Wahrheit, einer Wahrheit, die nicht nur ihrer performativen Kraft beraubt ist, sondern auch zeitweilig jede neue performative Kraft blockiert.«

Vladimir Safatle, Zynismus und das Scheitern der Kritik

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