Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen – Cover

Über die ästhetische Erziehung des Menschen

in einer Reihe von Briefen
Reihe: tentare material
14,00 €erscheint April 2027
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Dieser Text hat einen Anlass, der ihm bis heute seine Schärfe gibt. 1793, im Jahr der Hinrichtungen, schrieb Schiller an seinen dänischen Gönner über die gescheiterte Revolution. Der Augenblick sei günstig gewesen wie nie, schreibt er, und er sei verpasst worden – nicht weil die Verhältnisse zu stark waren, sondern weil die Menschen nicht bereit waren. Der Staat der Not lässt sich nicht gegen den Staat der Freiheit eintauschen, solange die Bürger Wilde oder Barbaren sind.

Was folgt, ist eine der frühesten und härtesten Diagnosen der Moderne. Die Kultur selbst, schreibt Schiller, war es, die der neueren Menschheit die Wunde schlug: Arbeitsteilung und Spezialisierung haben den ganzen Menschen in Bruchstücke zerlegt. »Ewig nur das eintönige Geräusch des Rades, das er umtreibt, im Ohre, entwickelt er nie die Harmonie seines Wesens.«

Die Heilung sucht Schiller nicht in der Politik, sondern im Ästhetischen. Zwischen dem Stofftrieb, der empfangen will, und dem Formtrieb, der bestimmen will, setzt er einen dritten an: den Spieltrieb. In ihm ist der Mensch weder von der Natur noch von der Vernunft genötigt – und erst da ganz Mensch. Von hier führt der Weg zum »ästhetischen Staat«, in dem auch das dienende Werkzeug ein freier Bürger ist.

Textgrundlage ist der Erstdruck in den Horen 1795. Der Zweitdruck von 1801 hat erheblich gekürzt – ganze Argumentationsschritte fehlen dort. Diese Ausgabe verzeichnet die Streichungen durchgehend, sodass sichtbar wird, was Schiller sechs Jahre später nicht mehr drucken ließ.

Originalausgabe: Erstdruck: Die Horen, 1795
208 Seiten
ISBN 978-3-911804-09-7
9783911804097
Der Autor

Friedrich Schiller (1759–1805) wuchs in Württemberg auf und wurde auf Befehl des Herzogs zum Militärarzt ausgebildet. Nach dem Erfolg der Räuber floh er 1782 aus Stuttgart. 1789 wurde er Professor für Geschichte in Jena, erkrankte schwer und wandte sich der Philosophie zu: Vier Jahre lang studierte er Kant. Aus Briefen, die er 1793 an seinen dänischen Gönner, den Herzog von Augustenburg, schrieb, ging die Ästhetische Erziehung hervor, die 1795 in seiner Zeitschrift Die Horen erschien – im selben Jahr wie »Über naive und sentimentalische Dichtung«. Danach kehrte er zum Drama zurück und schrieb, in enger Freundschaft mit Goethe, Wallenstein, Maria Stuart und Wilhelm Tell. Er starb mit fünfundvierzig Jahren in Weimar.

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