Mario Vegetti: Wer in der Stadt das Sagen hat – Cover

Wer in der Stadt das Sagen hat

Die Griechen und die Macht

Dieses Buch entschlüsselt die komplexen Herrschaftsverhältnisse der griechischen Polis. In einer philosophischen »guided tour« führt Mario Vegetti durch die fünf fundamentalen Prinzipien der Machtlegitimation, die im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. in Athen entwickelt wurden: plethos, nomos, kratos, arete und episteme.

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Wer in der Stadt das Sagen hat bietet eine pointierte und glänzend geschriebene Einführung in die Machtverhältnisse und Herrschaftsbegründungen der griechischen Polis. Wie Mario Vegetti zeigt, fehlten im Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. die drei großen Stützen, die Herrschaft andernorts absicherten: ein zentralisierter Staatsapparat, eine priesterliche Autorität und eine verbindliche kulturelle Tradition. Aus dieser Souveränitätskrise entstand ein einzigartiges Laboratorium der politischen Theorie, das fünf grundlegende Prinzipien der Machtlegitimation hervorbrachte: plethos (Mehrheit), nomos (Gesetz), kratos (Gewalt), arete (Tugend) und episteme (Kompetenz).

In einer thematisch gegliederten Darstellung führt Vegetti durch die antike Debatte, an der Philosophen, Historiker, Dichter und Politiker beteiligt waren. Er vergleicht die griechischen Typologien mit den Herrschaftsmodellen Max Webers und Alexandre Kojèves und zeigt, inwiefern das begriffliche Instrumentarium der Antike auch für die heutige politische Reflexion noch maßgeblich ist.

Mario Vegetti: Wer in der Stadt das Sagen hat. Die Griechen und die Macht, tentare Verlag – rotes Taschenbuch mit den Säulen eines griechischen Tempels auf dem Cover, aufrecht vor einer unscharfen Altstadtfassade mit Torbogen
Mario Vegetti: Wer in der Stadt das Sagen hat. Die Griechen und die Macht. Aus dem Italienischen von Stephan Gregory. tentare Verlag, 2026
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Aus dem Italienischen von Stephan Gregory
Originalausgabe: Chi comanda nella città (2017)
124 Seiten
Paperback, 10,8 × 21 cm
ISBN 978-3-911804-05-9
Erschienen März 2026
9783911804059
Der Autor

Mario Vegetti (1937–2018) war ein theoretisch versierter Gräzist und Philosophiehistoriker mit Schwerpunkt auf der antiken Philosophie. 1959 wurde er an der Universität Pavia mit einer Arbeit über Thukydides promoviert. An derselben Universität lehrte Vegetti von 1975 bis 2005 als Professor für Geschichte der antiken Philosophie. Sein besonderes Interesse galt dem Zusammenspiel von philosophischem und wissenschaftlichem Denken in der Antike, das er in seinem Werk Il coltello e lo stilo (1979) untersuchte. Als anerkannter Platon-Experte veröffentlichte er eine umfassende siebenbändige kommentierte Ausgabe der Politeia (1998–2007). Weitere wichtige Arbeiten waren L'etica degli antichi (1989), Quindici lezioni su Platone (2003) und Chi comanda nella città (2017).

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Leseprobe

aus: Mario Vegetti, Wer in der Stadt das Sagen hat

Inhalt und Vorwort · S. 9–10

  • Vorwort9
  • Ein griechisches Problem13
  • Plethos, oder von der Menge25
  • Nomos, oder vom Gesetz45
  • Kratos, oder von der Gewalt65
  • Arete, oder von der hyperbolischen Tugend81
  • Episteme, oder von der Wissenschaft95
  • Rivalisierende Anthropologien111
  • Stellenregister119

Vorwort

Es gibt mehrere Dinge, die der Leser auf diesen Seiten nicht finden wird. Er wird keinen analytischen Kommentar zu den antiken Texten finden, der sich an den Absichten des Autors und der Ordnung der Argumentationen orientiert – eine unverzichtbare Arbeit, die jedoch an anderer Stelle geleistet werden muss. Ebenso wenig wird er eine Geschichte der politischen Ideen finden, die nach der chronologischen Abfolge von Autoren und Texten entwickelt ist und für die auf ausgezeichnete Nachschlagewerke verwiesen werden kann.1 Folglich wird er auch keine organische Fachbibliographie finden: Die Hinweise in den Anmerkungen sind Lesevorschläge ohne systematischen Anspruch.

Ich habe mir stattdessen vorgenommen, den Leser zu einer Art Führung durch eines der außerordentlichsten Laboratorien politischen Denkens in der abendländischen Geschichte einzuladen, das im Athen des Jahrhunderts von ungefähr 430 bis 330 v. Chr. in Betrieb war. Anhand der Ideen und Texte, die in diesem Laboratorium nach und nach entstanden sind, wird eine vielstimmige Debatte in Szene gesetzt, an der Philosophen, Historiker, Dichter und Politiker beteiligt sind und die sich um die entscheidende Frage dreht, was Macht ist und wie sie legitimiert oder gerechtfertigt werden kann. In der hier gebotenen Darstellung gliedert sich diese Debatte um fünf thematische Hauptachsen (die Mehrheit, das Gesetz, die Gewalt, die Tugend, das Wissen), die sich, was selbstverständlich ist, miteinander verflechten und wechselseitig aufeinander einwirken. Für den politologischen gesunden Menschenverstand hält die Auseinandersetzung mit den in diesem Laboratorium hervorgebrachten politischen Ideen manche Überraschung bereit: Selbst ein so vertrauenerweckendes Regime wie die Mehrheitsdemokratie wird radikal in Frage gestellt, und andererseits findet eine verabscheuungswürdige Macht wie die der Tyrannis bisweilen bedeutende Zustimmung. Zugleich können altbekannte Texte eine für die historiographische Vulgata unerwartete Bedeutung und Tragweite erlangen.

Ich habe jedoch keineswegs beabsichtigt zu zeigen, wer Recht hat und wer Unrecht, oder wer gewinnt und wer verliert. Die Aspekte, die wirklich von Interesse sind, sind die theoretische Kraft, die intellektuelle Unvoreingenommenheit und die Radikalität des Ansatzes, die die hier neu betrachtete Diskussion kennzeichnen. Wir finden darin zum einen ein unübertroffenes Modell dafür, wie politische Reflexion den Problemen auf den Grund gehen kann – vielleicht nicht um sie zu lösen, sondern um sie wenigstens in ihren Voraussetzungen und Implikationen klarer zu machen; zum anderen ein begriffliches Instrumentarium, das zwar einer fernen Welt angehört, das aber vielleicht seine Fähigkeit nicht völlig erschöpft hat, Anregungen und Perspektiven zu bieten, die zu ignorieren auch heute noch falsch wäre.

  1. Ein hervorragendes Beispiel ist der Band von Silvia Gastaldi: Introduzione alla storia del pensiero politico antico, Roma: Laterza, 2008. ↩

Die Leseprobe auch als PDF: Leseprobe: Vorwort (PDF)