Gotthold Ephraim Lessing: Laokoon – Cover

Laokoon

oder über die Grenzen der Malerei und Poesie
Reihe: tentare material
16,00 €erscheint April 2027
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Warum schreit Laokoon nicht? Die antike Marmorgruppe zeigt den trojanischen Priester im Kampf mit zwei Schlangen. Doch sein Mund ist nur leicht geöffnet. Winckelmann sah darin die »edle Einfalt und stille Größe« der Griechen: eine große Seele, die den Schmerz beherrscht. Lessing widerspricht. Bei Vergil schreit Laokoon, und auch Homers Helden schreien, weinen und schimpfen. Der Bildhauer mildert den Schrei nicht aus Seelengröße. Er mildert ihn, weil die bildende Kunst der Schönheit verpflichtet ist – und weil sie nur einen einzigen Augenblick festhalten kann.

Aus dieser Beobachtung entwickelt Lessing 1766 eine Theorie, die bis heute nachwirkt. Die Malerei ordnet ihre Zeichen im Raum, die Dichtung in der Zeit. Jene stellt Körper dar, diese Handlungen. Gegen die Mode der beschreibenden Poesie und der allegorischen Malerei zieht Lessing die Grenzen zwischen den Künsten: scharf, polemisch und mit einer Fülle von Beispielen von Homer bis Milton. Die Wirkung dieser Grenzziehung reicht von Herder und Goethe über Clement Greenbergs Essay »Towards a Newer Laocoon« (1940) bis zu den heutigen Debatten über Intermedialität.

Die Neuausgabe bietet den Text in behutsam modernisierter Rechtschreibung, mit Lessings eigenen Anmerkungen und einem Stellenkommentar, der Namen, Werke und veraltete Wörter erklärt und die griechischen und lateinischen Zitate übersetzt.

Originalausgabe: Erstausgabe 1766
240 Seiten
Mit Lessings Anmerkungen und einem Stellenkommentar
ISBN 978-3-911804-10-3
9783911804103
Der Autor

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war Dichter, Kritiker und Philosoph, eine der prägenden Gestalten der deutschen Aufklärung. Geboren im sächsischen Kamenz als Sohn eines Pfarrers, studierte er in Leipzig Theologie und Medizin, brach das Studium aber ab und lebte als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin. Mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn gab er die Briefe, die neueste Litteratur betreffend heraus. Von 1760 bis 1765 war er Sekretär eines preußischen Generals in Breslau; dort begann er die Arbeit am Laokoon (1766). Danach wirkte er als Dramaturg am Hamburger Nationaltheater, ab 1770 als Bibliothekar in Wolfenbüttel. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Minna von Barnhelm, Emilia Galotti, die Hamburgische Dramaturgie und Nathan der Weise. Lessing starb 1781 in Braunschweig.

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