Jean-Jacques Rousseau: Brief über die Schauspiele – Cover

Brief über die Schauspiele

Reihe: tentare material
12,00 €erscheint April 2027
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1757 schlägt d’Alembert im siebten Band der Encyclopédie vor, Genf solle endlich ein Theater bekommen. Die Stadt würde feiner, die Künste würden blühen, und die verachteten Schauspieler könnten ehrbare Bürger werden. Rousseau, »Bürger von Genf«, antwortet mit einer Streitschrift, die weit über den Anlass hinausgeht. Mit ihr bricht er zugleich öffentlich mit Diderot und dem Kreis der Enzyklopädisten.

Sein Einwand ist politisch, nicht kleinlich-moralisch. Das Theater bessert niemanden, es verstärkt nur, was schon da ist. Es erzeugt ein »unfruchtbares Mitleid«, das sich an Tränen labt und keine Tat hervorbringt. Und es vereinzelt: »Man wähnt, sich im Schauspiel zu versammeln – und dort gerade vereinzelt sich jeder.« Wo Vergnügen gegen Eintritt verkauft wird, wächst zudem die Ungleichheit. Eine Republik braucht darum nicht weniger Schauspiele, sondern andere: Feste unter freiem Himmel, bei denen die Zuschauer selbst zum Schauspiel werden. »Pflanzt mitten auf einen Platz einen blumenbekränzten Pfahl, versammelt das Volk darum, und ihr habt ein Fest.«

Der Brief ist eine Urszene der modernen Kritik am Spektakel. Wer über Publikum, Darstellung und Gemeinschaft nachdenkt, landet früher oder später bei ihm – von Schillers »Schaubühne« bis zu Debord und Rancières »emanzipiertem Zuschauer«.

Aus dem Französischen von Stephan Gregory
Originalausgabe: Lettre à d’Alembert sur les spectacles (1758)
176 Seiten
ISBN 978-3-911804-08-0
9783911804080
Der Autor

Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 in Genf als Sohn eines Uhrmachers geboren. Mit fünfzehn verließ er die Stadt und schlug sich als Diener, Hauslehrer, Musiker und Notenkopist durch. In Paris schrieb er Artikel über Musik für die Encyclopédie. 1750 machte ihn sein Diskurs über die Wissenschaften und Künste mit einem Schlag berühmt. Es folgten der Diskurs über die Ungleichheit (1755), der Brief über die Schauspiele (1758) und der Roman Julie oder Die neue Héloïse (1761). 1762 erschienen Der Gesellschaftsvertrag und Émile. Beide Bücher wurden in Paris und Genf verurteilt, und Rousseau lebte fortan auf der Flucht, in der Schweiz und in England. Später entstanden die Bekenntnisse und die Träumereien eines einsamen Spaziergängers. Er starb 1778 in Ermenonville bei Paris.

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