Paolo Godani: Melancholie und Ende der Welt (Juni 2026)

Melancholie ist mehr als ein individuelles Gefühl – sie ist der Grundzug unserer Epoche. Doch woher rührt die epidemische Ausbreitung der Schwermut ausgerechnet im Zeitalter des Begehrens, der Technik, der rastlosen Produktion?
Godanis Buch rehabilitiert die Melancholie als Form der Welterkenntnis. Der Schwermütige hat nicht weniger Welt als andere, sondern mehr – weil er sie nicht durch das Raster des Begehrens filtert. Was wie Rückzug aussieht, ist die Absage an eine Weltbeziehung, die die Dinge zu Objekten macht.

ISBN 978-3-911804-04-2
ca. 240 Seiten

 

 

Beschreibung

Das Buch:

Es gibt wohl keine Epoche ohne Melancholie, ohne tiefe individuelle Traurigkeit, ohne innere Qual, ohne Seelenschmerz. Doch es gibt eine Epoche, in der die Melancholie aufhört, bloß ein individuelles Gefühl zu sein, und zum Grundzug des Lebens wird: die Moderne. Denn nur in der modernen Welt geht die Melancholie mit einem radikalen Verlust des Weltsinns einher. Warum kommt es zu diesem Ergebnis? Warum breitet sich die Melancholie in der Epoche des Begehrens, der Praxis, der Technik und der verallgemeinerten Produktion epidemisch aus? Warum hört die Melancholie in den letzten zwei Jahrhunderten, besonders im zwanzigsten, auf, ein Phänomen ›persönlicher‹ Natur zu sein, und wird zu einem sozialen, kulturellen, historischen, ja sogar metaphysischen Ereignis? Von diesen Fragen geht Melanconia e fine del mondo aus, ein Buch, in dem Paolo Godani seine Leser auf eine schwindelerregende Reise mitnimmt – auf der Suche nach grundlegenden Begriffen wie Körper, Endlichkeit und dem Lebendigen. Die Moderne ist jene Epoche, in der jedes Wesen als lebendige, endliche, vergängliche Entität begriffen wird, unablässig bedroht von Auflösung und Tod, in beständigem Überlebenskampf gegen andere Entitäten. Für eine solche Entität ersetzt das ›Leben‹ die alten Begriffe ›Sein‹ und ›Natur‹. Die Existenz, die in der vormodernen Welt als Teil der kosmischen Ewigkeit gedacht wurde, wird nun vom Ganzen isoliert und in ihre Endlichkeit eingeschlossen, in ihre körperliche Sterblichkeit. Daraus entsteht das typisch moderne Gefühl der Melancholie – getragen von der Überzeugung, dass jeder von uns im Grunde in sich selbst lebt, vom Ganzen abgetrennt, bestimmt von Neigungen oder Trieben, die unsere Einzigartigkeit ausmachen und sie fortwährend der Wahrnehmung einer sinnentleerten Welt aussetzen.

Zitat

»Es stimmt, dass das Volk der ­Melancholiker auf politischem Feld erst am Anfang steht. Aber die Her­ausforderung ist nicht gering, denn es geht um das, was wir sind und was wir sein können. Nötig ist zunächst eine ­ganze ­meta­physische, per­zeptive, sentimentale Erziehung. Eine nicht religiöse, sondern weltliche Erfahrung des Unzerstörbaren. Eine neue Sensibilität für die Dinge der Welt, die imstande ist, unserem Blick die Heiterkeit zurückzugeben, ­einem Blick, der seit allzu langer Zeit an die ­Katastrophe ­geheftet ist.«

Stimmen zum Buch:

»Eine dichte Arbeit, harte Metaphysik, die ein gewaltiges philosophisches Korpus durchquert, um die Unerschütterlichkeit der Singularität zu zerlegen – jenen Leitstern der Gegenwart, die das Gemeinsame bestenfalls als Souveränitätsverzicht kennt.« – Giovanna Ferrara, il manifesto.

Der Autor:

Paolo Godani, geboren 1974 in ­­­La Spezia, lehrt ­Ästhetik an der Universität ­Macerata. Er forscht zur zeit­genössischen französischen ­Philosophie ­(Bergson, Foucault, Deleuze, ­Rancière), zur Literatur­philosophie und zur politischen Theorie.
Zu seinen jüngsten Büchern zählen Sul piacere che manca (DeriveApprodi 2019), Tratti (Ponte alle Grazie 2020; frz. Traits. Une métaphysique du singulier, PUF 2020), Il corpo e il cosmo (Neri ­Pozza 2021). Melanconia e fine del mondo erschien 2025 bei Feltrinelli.