Denis Diderot: Rameaus Neffe – Cover

Rameaus Neffe

Reihe: tentare material
9,00 €erscheint April 2027
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Paris, um 1761: Im Café de la Régence, wo sich die Schachspieler treffen, spricht ein seltsamer Kauz den Philosophen an. Es ist Jean-François Rameau, der Neffe des berühmten Komponisten – ein Musiklehrer, dem es an Können fehlt, und ein Spaßmacher, der an den Tafeln der Reichen sein Auskommen fand, bis man ihn eben vor die Tür gesetzt hat. Was sich daraus entspinnt, ist ein Gespräch über Genie und Mittelmaß, über Geld, Moral und Musik, das sich zugleich in eine Vorstellung verwandelt: Rameau spielt Geige, ohne eine Geige in der Hand zu halten, gibt ganz allein ein Opernhaus und äfft Gönner wie Bittsteller nach. Dass er ein Schuft ist, bekennt er offen, und gerade darin liegt seine Gefährlichkeit, denn er spricht aus, was die feine Gesellschaft tut, während sie darüber schweigt.

Der Philosoph hält ihm Tugend, Vernunft und das Urteil der Nachwelt entgegen, doch das letzte Wort behält er nicht. Diderot selbst hat das Buch nie veröffentlicht. Es erschien zuerst 1805 in Goethes deutscher Übersetzung, während die Handschrift des französischen Originals erst 1890 bei einem Pariser Bouquinisten auftauchte. Hegel erkannte darin das »zerrissene Bewusstsein« der Moderne, Freud zitierte es, und Foucault las es als einen Auftritt der Unvernunft, der sich mitten im Zeitalter der Vernunft ereignet.

Die neue Übersetzung bewahrt den Witz und die Direktheit des Originals. Anmerkungen erschließen die Personen, Opern und Pariser Affären, von denen in Diderots Dialog die Rede ist.

Aus dem Französischen von Stephan Gregory
Originalausgabe: Le Neveu de Rameau
128 Seiten
ISBN 978-3-911804-07-3
9783911804073
Der Autor

Denis Diderot (1713–1784) war Philosoph, Schriftsteller und Kunstkritiker und einer der Wortführer der französischen Aufklärung. Als Sohn eines Messerschmieds in Langres geboren, studierte er in Paris und schlug sich lange als Übersetzer und Hauslehrer durch. Sein Brief über die Blinden brachte ihm 1749 drei Monate Haft in Vincennes ein. Mehr als zwanzig Jahre lang gab er, anfangs zusammen mit d’Alembert, die Encyclopédie heraus, das große Lexikon der Aufklärung, gegen Zensur und Verbote. Daneben schrieb er Theaterstücke, Romane und Kunstkritiken. Seine kühnsten Bücher – Jacques der Fatalist, Die Nonne, D’Alemberts Traum und Rameaus Neffe – blieben zu Lebzeiten ungedruckt. Um seiner Tochter eine Mitgift geben zu können, verkaufte er seine Bibliothek an Katharina die Große, die er 1773/74 in Sankt Petersburg besuchte. Er starb 1784 in Paris.

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