Étienne Balibar: Spinoza und die Politik – Cover

Spinoza und die Politik

In a time of crisis for the Dutch Republic, Baruch de Spinoza conceived a radically new political theory that combined absolute state sovereignty with the greatest possible individual freedom. Balibar lays open the transformative potential of this vision of society: a conception of collective emancipation through free communication.

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Balibar situates Spinoza's philosophy against the background of the political struggles of his time – struggles whose confrontation between a populistically led ›people‹ and a liberal ›elite‹ strikingly recalls today's social divisions. Through the three major works – the Theological-Political Treatise, the Political Treatise and the Ethics – he provides a precise introduction to a body of thought that, under the pressure of circumstances, was forced »sich noch ›politischer‹ zu zeigen als die ›Politiker‹ selbst«. What distinguishes this book above all, however, is the verve with which it lays open the transformative potential of Spinoza's vision of society: a conception of collective emancipation through free communication.

In a time of crisis for the Dutch Republic, Baruch de Spinoza (1632–1677) conceived a radically new political theory that combined absolute state sovereignty with the greatest possible individual freedom. Excommunicated from the Jewish community and persecuted by Calvinist orthodoxy, he was bound to arrive at a realistic view of power relations; he showed that law must be understood not as a moral ideal but as a real operative force. Thus democracy, for Spinoza, is not simply a beautiful idea; it is the form of government that should and must prevail, because like no other it guarantees both the freedom and the security of individuals.

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Translated from the French by Stephan Gregory
Original edition: Spinoza et la politique (PUF, Paris)
172 pages, 18,00 €
Softcover, 10,8 × 21 cm
ISBN 978-3-9824105-4-8
Published May 2025
9783982410548

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from: Étienne Balibar, Spinoza und die Politik

Vorwort · S. 13–15

Vorwort

»Ich erhebe nicht den Anspruch, die beste Philosophie gefunden zu haben, sondern weiß, daß ich die wahre begreife. (...) Denn das Wahre ist der Prüfstein seiner selbst und des Falschen.«

Spinoza, Brief LXXVI an Albert Burgh

»Er war ein Mann, der den Gewissenszwang verabscheute, und ein großer Feind der Verstellung.«

Pierre Bayle, Artikel »Spinoza« aus dem Dictionaire historique et critique

Spinoza und die Politik: Was für ein Widerspruch liegt, auf den ersten Blick, in dieser einfachen Formulierung! Wenn Politik die Ordnung der Geschichte ist, dann haben wir es hier mit einem Philosophen zu tun, dessen gesamtes System sich als die Entwicklung der Idee darstellt, dass Erkennen nichts anderes heißt, als Gott zu erkennen, und dass »Gott die Natur« selbst ist. Wenn die Politik eine Sache der Leidenschaft ist, dann ist hier ein Philosoph, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Wünsche und Handlungen der Menschen »nach der Art der Geometer« zu begreifen (intelligere), »als ginge es um Linien, Flächen oder Körper« (Ethik, Vorwort zum dritten Teil [S. 221]). Wenn die Politik in der Gegenwart Partei ergreift, so ist dies ein Philosoph, für den die Weisheit und das höchste Gut darin bestehen, alle Einzeldinge »unter einem Aspekt von Ewigkeit« (sub aeternitatis specie) zu betrachten (Ethik, V. Teil [S. 565]). Was könnte er uns über Politik sagen, das nicht reine Spekulation wäre?

Er selbst sah in der Verbindung von Verstand und Überzeugung, von Begriff und Praxis allerdings keinerlei Widerspruch, ganz im Gegenteil. Zu Beginn seines Politischen Traktats und unter Verwendung derselben Ausdrücke nimmt er sich vor, »lediglich das, was mit der Praxis am vorzüglichsten übereinstimmt, auf sichere und zweifelsfreie Weise zu beweisen«, indem er es »aus der Verfaßtheit der menschlichen Natur, wie sie tatsächlich ist«, ableitet, »mit derselben Unbefangenheit, mit der wir es bei der Mathematik zu tun pflegen« [TP, 9 f.]. Hierfür kommt es darauf an, die menschlichen Handlungen »nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen« [TP, 11]), sondern sie durch ihre notwendigen Ursachen zu erkennen (intelligere). Und das erste seiner großen Werke der Reifezeit – der Theologisch-politische Traktat – war eine Kampfschrift gewesen, ein philosophisches und politisches Manifest, in dem es im Übrigen nicht schwerfiele, gewisse Untertöne von Ironie oder Besorgnis, wenn nicht gar Verurteilung zu finden. Allerdings glaubte mancher aufmerksame Leser daraus schließen zu können, dass Spinoza unfähig gewesen sei, seinen Absichten treu zu bleiben, oder dass der erklärte Vorrang des Begriffs in Wirklichkeit eine Maske für allzu menschliche Leidenschaften gewesen sei...

In diesem kleinen Buch greife ich diese klassische Schwierigkeit auf, um ein Experiment vorzuschlagen: in die Philosophie Spinozas einzuführen, ausgehend von den Problemen seiner Politik, auf der Suche nach der Einheit dieser Probleme. Diese Einführung ist angelegt als ein Pfad von Lektüren und Diskussionen, der durch die drei gerade erwähnten Hauptwerke führt.

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