
Am 30. Oktober 2026 stellte Silvia Lippi (Paris) ihr Buch Sigmund Freud. Die Leidenschaft des Unregierbaren in der Buchhandlung b_books in Berlin-Kreuzberg vor. Mit ihr auf dem Podium saßen die Berliner Psychoanalytiker:innen Nadine Hartmann und Christopher Chamberlin. Diskutiert wurde auf Englisch.
Chamberlin eröffnete mit einer Definition: Ein Lacanianer sei jemand, der Freud liest. Lippis Freud ist der frühe Freud der Triebtheorie. Ödipus erscheint bei ihr nicht als notwendiger Weg zum Begehren, sondern als eine Fantasie unter anderen, oft als »langweiliges Symptom«. Im Mittelpunkt stehen Trauma und Symptom. Das Symptom wiederholt das Trauma, es kann aber auch ein soziales Band stiften.
Von hier aus spannte sich das Gespräch weit: von Basaglia und der Psychiatrie über Hysterie und Feminismus, MeToo und die Idee der Schwesterlichkeit bis zu trans und nichtbinären Perspektiven auf den Körper. Mit Spinoza gefragt: Was kann ein Körper? Fragen aus dem Publikum führten zu Tosquelles und zur Psychose. Zum Schluss ging es um Scham als politischen Affekt und um das, was die Psychoanalyse zu den Kämpfen der Gegenwart beitragen kann.
Wir danken b_books für die Gastfreundschaft, den Teilnehmenden für die spannende Diskussion und allen, die gekommen sind, für ihr lebhaftes Interesse.
Der Mitschnitt der Veranstaltung (ca. 80 Minuten, mit deutschen Untertiteln) kann hier direkt angesehen werden – alternativ auf YouTube:

Silvia Lippi: Sigmund Freud. Die Leidenschaft des Unregierbaren
Aus dem Italienischen und Französischen von Stephan Gregory
tentare Verlag 2026, 272 Seiten, Softcover, 20 €


