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Die Ideologiekritik ist tot? Vladmir Safatle bei b_books in Berlin

Safatle b books

Foto: b_books

Am 27. März 2025 war der brasilianische Philosoph, Psychoanalytiker und Politiker Vladmir Safatle bei der Berliner Buchhandlung b_books zu Gast, um mit Stephan Gregory über sein im tentare Verlag erschienenes Buch »Zynismus und das Scheitern der Kritik« zu diskutieren.

Safatles Analyse des zeitgenössischen Zynismus als dominante Subjektierungsform unserer Zeit und als Betriebsmodus des neoliberalen Autoritarismus bildete den Ausgangspunkt für eine Erkundung drängender philosophischer und politischer Fragen: von der im zeitgenössischen Denken überall anzutreffenden Querelle zwischen deleuzianischen und lacanianischen Positionen über die Wiederkehr des Revolutionsbegriffs im technokratischen Gewand der »Disruption« bis zur Notwendigkeit einer linken Politik, die den marxschen Begriff der »Entfremdung« wieder ernst nimmt und das tatsächliche Leiden der Menschen zum Ausgangspunkt des Handelns macht.

Wie die Dissussion zeigte, muss philosophisches Denken nicht an Schärfe und Genauigkeit verlieren, wenn es sich in aktuelle politische Fragen einmischt. Safatles Buch »Zynismus und das Scheitern der Kritik« verspricht, eine wichtige Referenz für alle zu werden, die nach einer Gesellschafts- und Ideologiekritik suchen, die sich auf der Höhe ihrer Zeit befindet – einer Zeit, in der die Macht nichts mehr verbirgt, sondern sich über sich selber lustig macht.

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Buchvorstellungen in Hamburg und Berlin

Vladmir Safatle diskutiert sein Buch »ZYNISMUS und das Scheitern der Kritik«

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Im tentare Verlag ist soeben das Buch »Zynismus und das Scheitern der Kritik« des brasilianischen Philosophen und Psychoanalytikers Vladimir Safatle erschienen. Ende März wird der Autor sein Werk in Hamburg und Berlin persönlich vorstellen und diskutieren. Wir laden Sie herzlich ein, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.

Hier die Termine:

Podiumsdiskussion zu »Global New Facism« mit Vladmir Safatle, Ece Temelkuran und Samo Tomšič

Montag, 24. März 2025, 20:00 h

Central Congress
Steinstraße 5-7
20095 Hamburg

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Buchpräsentation und Gespräch mit Vladimir Safatle bei b_books, Berlin

Donnerstag, 27. März, 19:30 h

b_books
Lübbener Str. 14
10997 Berlin

Das Buch:

Safatle Zynismus Cover PRINT4

Warum gelingt es autoritären Bewegungen heute so leicht, liberale Demokratien zu unterwandern? Der Philosoph Vladimir Safatle, einer der bekanntesten Intellektuellen Brasiliens und Protagonist des Widerstands gegen die Regierung Bolsonaro, liefert eine bestechende Diagnose: Der ›neue Faschismus‹ ist nicht einfach ein Rückfall in archaische Gesellschaftsmuster; seine Wirksamkeit beruht vielmehr auf der Verallgemeinerung einer neuen, zynischen Form der Rationalität, die sich in den liberalen Demokratien selbst herausgebildet hat. Zynismus ist damit nicht nur als rhetorische Figur zu verstehen oder als eine subjektive, moralisch verwerfliche Haltung; er bildet vielmehr die rationale Struktur einer Gesellschaft im Zerfall, die im uneigentlichen Sprechen, in der selbstironischen Verleugnung ihre Überlebensstrategie gefunden hat.

Nach Safatle hat dies tiefgreifende Konsequenzen für den Status der Kritik: Gegenüber einer ›zynischen Vernunft‹, die aus ihrer eigenen Kritik einen Witz macht, ist klassische Ideologiekritik machtlos geworden. Umso mehr kommt es darauf an, eine neue Art der Kritik zu entwickeln, eine Kritik, die, wie Safatle sagt, »gegenwärtig in erster Linie eine Kritik der Ironie sein muss«.

ZYNISMUS UND DAS SCHEITERN DER KRITIK ist ein philosophisches Schlüsselwerk zum Verständnis unserer politischen Gegenwart, das nun erstmals auf Deutsch zu entdecken ist.

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Für den Buchhandel: Link zu VLB-TIX.

Der Autor:

VLADIMIR SAFATLE ist ordentlicher Professor der Philosophischen Fakultät der Universität São Paulo und Professor am Institut für Psychologie derselben Institution. Er war Gastprofessor an den Universitäten Ca’ Foscari (Venedig), Paris I, Paris VII, Paris VIII, Paris X, Toulouse (Frankreich), Louvain (Belgien) und Essex (England), visiting scholar an der University of California, Berkeley, sowie fellow am Stellenbosch Institute of Advanced Studies (Südafrika), bei The New Institute in Hamburg und am Institut d’études avancées (Paris). Er ist einer der Koordinatoren des Forschungslaboratoriums für Sozialtheorie, Philosophie und Psychoanalyse (Latesfip/Universidade de São Paulo) und verantwortlich für die Herausgabe der Werke Theodor Adornos in portugiesischer Sprache (Coleção Adorno, Unesp). Als eine Schlüsselfigur der akademischen Linken Brasiliens und Mitglied des Partido Socialismo e Liberdade (PSOL) war Vladimir Safatle Vorkandidat für das Amt des Gouverneurs von São Paulo und Kandidat für das Amt eines Abgeordneten im Bundesparlament – in der aktuellen Legislaturperiode ist er Vertretungsabgeordneter. Er war Kolumnist der Zeitungen El País und Folha de São Paulo, Fernsehkommentator bei TV Cultura und Mitarbeiter von Zeitungen wie Le Monde und La Vanguardia. Während der rechtsextremen Regierung von Jair Bolsonaro war er einer der Organisatoren des Amtsenthebungsantrags gegen diesen, was ihm politische Verfolgung einbrachte und dazu führte, dass er von der französischen Regierung im Rahmen eines Programms zum Schutz gefährdeter Akademiker aufgenommen wurde. Seine Veröffentlichungen konzentrieren sich auf die Bereiche Psychoanalyse, Philosophie der Musik, politische Philosophie, Kritische Theorie und posthegelianische dialektische Tradition. Zu seinen Büchern gehören: Alphabet of colisions: Practical philosophy in chronical times (Columbia University Press, im Erscheinen), Le circuit des affects: Corps politiques, détresse et la fin de l’individu (Le bord de l’eau, 2022); Grand Hotel Abyss: Desire, recognition and the restoration of the subject (Leuven University Press, 2016) und La passion du négatif: Lacan et la dialectique (Georg Olms, 2010) sowie verschiedene weitere in portugiesischer, spanischer und italienischer Sprache.